Lieferando & co. – Erfahrungen und Denkfehler

Beim stöbern durch die wilde Welt der Köche Gruppen auf Facebook, ist mir aufgefallen, wie stark das Thema Lieferando & co diskutiert wird. Von Abzocke ist die Rede. Wie kann man so viel Provision verlangen? Wie soll ich 13-18% Provision abgeben? Wir klären auf was es mit dem Provisionen bei Lieferportalen auf sich hat und wie unsere Erfahrungen mit Lieferando & co waren

Da ich selbst im April, während des ersten Lockdowns einige Erfahrungen mit Lieferando gemacht habe, wollte ich aus meinen Erfahrungen berichten und auf häufige Denkfehler hinweisen. Doch eins vorab: heute bin ich KEIN Teil der Lieferando-Restaurants mehr. Warum das so ist, erfährst Du weiter unten.

Simon Kolar (@simonderkoch) klärt auf über Denkfehler im Bezug auf Lieferportale

Lockdown als Paradies für neue Anbieter für Bestellshops und Liefersytemen

Es sprießen gerade Dienstleister aus dem Boden, die Vergleichsrechnungen zu Portalen wie Lieferando aufstellen. “Spare 500€” oder “nur 3% Provision für Bestellungen”… “keinen Bock mehr auf riesige Provisionen?!”

Portale wie Lieferando als Beispiel sind jedoch kein Anbieter für eine Liefersoftware und darin liegt der entscheidende Unterschied. Lieferando ist ein Portal, wo Menschen, die Hunger haben, etwas zu Essen suchen, ähnlich wie Instagram der Inspiration dient.
Sie besitzen einen ganz entscheidenden Aspekt, den es zu bedenken gilt: es sind nicht deine bewussten Kunden oder deine Stammgäste, die hier bestellen. Oder zumindest nur sehr wenige. Es ist eine NEUE Zielgruppe. Auf diesen wie Portalen erhältst Du in der Regel Bestellungen von Kunden, die sonst NICHT bei dir bestellt hätten.

Wer nutzt denn eigentlich Liefer-Apps?

Auch wenn ich selbst kein Fan von Lieferplattformen bin, nutze ich sie. In einer fremden Stadt, bei Kumpels, wo ich mich nicht auskenne oder aufgrund von Einfallslosigkeit, wo ich denn nur jetzt etwas gutes zu Essen her bekomme. Ich möchte natürlich nicht blind bestellen, ich verlasse mich auf die Bewertungen von anderen Kunden. Ob ich das Restaurant kenne, bei dem ich bestelle? Nein, aber die anderen!

Ich wäre also niemals auf die Idee gekommen, bei Dir zu bestellen. Ich kenne dich nicht und ich weiß nicht ob dein Essen schmeckt. Der typische Liefer-App-Kunde ist meistens ein Emotionskäufer ohne Bezug zum Lieferdienst, bei dem er bestellt. Ob Du solch einen Kunden/Gast nun haben möchtest, oder nicht, das musst Du wissen.

Provisionen von Umsatz, den Du nie gemacht hättest

Jetzt mal die Frage an dich: sind 85% von einem Umsatz den Du sonst nicht gemacht hättest so schlecht?
Mein BWL Lehrer sagte einst zu mir: wenn all deine Kosten gedeckt sind und die Herstellung eines Kekses 1,-€ kostet, würde ich ihn für 1,01€ verkaufen, denn 1 Cent Gewinn ist schlichtweg 1 Cent Gewinn und besser als 0 Cent.
Ob Du es genauso siehst oder Du dein Essen so verkaufen möchtest, auch das musst Du selbst entscheiden.

Im April stand ich vor einer ganz anderen Herausforderung als die meisten. Die Eröffnung meines Restaurants Landhof war für den 18.03.2020 angesetzt. Cool! Lockdown! Genau so stellt man sich doch eine Eröffnung vor. Wenn man denkt, man hätte alle möglichen Katastrophen bedacht, kommt eine größere.

Kaum jemand wusste, dass wir da sind. Keiner wusste ob unser Essen schmeckt und Budgets für Zeitungswerbung & co waren nicht da. Aufgrund der Überlastung der Lieferando Zentrale dauerte die Aufnahme in die App 4 Wochen, deshalb kurbelte ich das Geschäft durch Flyer und Social Media Marketing an. Auch wenn so einige Bestellungen rein kamen, lief es holprig.

Nach 4 Wochen waren wir endlich gelistet und auffindbar in der Lieferando App. Nach einer kurzen Einrichtung und Freischaltung konnten wir am nächsten Tag starten und es ging los. Eine Bestellung nach der Anderen kam rein.

Was ich damit sagen möchte: natürlich schmerzt es anfangs, über 10% des Umsatzes abzugeben, aber wer hätte denn von mir erfahren und bestellen sollen? Jeder im entsprechenden Liefergebiet konnte nun mühelos die Karte einsehen und per Knopfdruck bestellen. Das System fragt ab wie lange Du benötigst und das war´s.

Wie waren deine Erfahrungen mit Lieferando? Schreibe es in die Kommentare!

Lieferportale und Bestellsoftware sind ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen

Beide haben ihre Daseinsberechtigung. Doch durch einen reinen Dienstleister, der Dir eine Software zum Liefern oder einen Webshop gibt, den man auch problemlos durch andere Dienstleister kostenfrei oder für eine schmale einmalige erhalten kann (Beispiel WordPress oder www.WIX.com ), ist eine Vergleichsrechnung über die Provision nicht gerechtfertigt.
Nochmal eine Frage für Dich; ist jemand der dein Stammgast ist und über deine Webseite bestellt nicht auch im Stande telefonisch oder per Whatsapp zu bestellen?

Wichtig ist also zu verstehen, dass es sich hier um Neukundengewinnung dreht. In anderen Branchen bezahlt man zweistellige € Beträge dafür, während wir bei Lieferportalen lediglich einen Teil des Umsatzes abgeben und noch Gewinn übrig bleiben kann.

Neukunden gewinne und zu Stammkunden machen – die direkt bestellen

Deine Aufgabe sollte in diesem Fall sein, einen Neukunden über ein solches Portal zu gewinnen und durch geschicktes Marketing (Flyer, direktes Kundengespräch) zu einem wiederkehrenden Stammkunden mit direkter Bestellung zu machen. Ob Du hierfür eine separate Bestellsoftware benötigst? Nice to have! Aber nicht zwingend notwendig.

Es sind nicht die bewussten Kunden!

Hast Du jemals auf Lieferando bestellt, weil Du bei einem speziellen Lieblingsrestaurant bestellen wolltest? Eher selten, oder? Du hast es in Google eingegeben und direkt bestellt nehme ich an.

So wie Du als Endverbraucher, verhalten sich andere ebenfalls. Auch wenn Portale wie Lieferando geradezu ein Monopol etabliert haben, muss man hier zugute halten, dass sie eien enorme Reichweite haben und an Gäste und Kunden heran kommen, die von Dir noch gar nichts wussten.

Ich nutze Lieferando nicht mehr, weil..

Auch wenn ich das Prinzip von Lieferando in Lockdown-Situationen super finde, bin ich kein Kunde mehr. Unser Restaurant hat solch einen starken Zulauf, dass es sich für uns schlichtweg nicht rechnet noch mehr Umsatz mit einem Portal zu machen, bei dem wir eine Provision bezahlen müssen. Wir haben nämlich unsere volle Auslastung erreicht. Und genau dieser Punkt ist der einzige, den ich als Argument vorbringen kann, warum es sich schlichtweg nicht rechnet.

Alternativen zu Lieferando und anderen Bestellshops für Unternehmen

Als Suchportal für hungrige Gäste ist Lieferando in Deutschland in einer Monopolstellung. Natürlich gibt es einige kleine Konkurrenten, aber bei wie vielen von denen bist Du angemeldet? Und wie viele würdest Du spontan nutzen?

Einige, leider kaum relevante Lieferservice Alternativen: liefer.de, bringbutler.de, hammerpizza.de

Anbei haben wir für dich einige Links zu Bestellsystemen im Überblick mit einigen kurzen Infos zusammen gestellt:

Empfehlung: Gastronovi – Bestellsystem mit Kassensystem – kostenlos bis 28.02.2021
  • Bestellsystem kostenlos bis 28.02.2021 inkl Abhol- & Takeaway-Service
  • Lieferservice
  • Digitale Speisekarte
  • Modul Kundenbindung kostenlos bis 28.02.2021 inkl. Online-Gutscheinverkauf
  • Anbindung an gastronovi Kassensystem
Empfehlung: www.wix.com – Wix Restaurants und Wix Restaurant Order
  • einfaches Einrichten und Hinzufügen von Online Bezahlmethoden
  • Baukasten für gesamte Homepage
  • auch ohne große Vorkenntnise zu bewältigen
  • keine weiteren Provisionen
flipdish – Bestellplattform mit Bestellwebsite, Terminal & Zubehör
  • eigener Bondrucker für Bestellungen
  • viele Bezahlmethoden inkl. Apple Pay & Google Pay
  • kostenlose Bestellseite inklusive
  • mobile Bestell-App
Shopify.de – Onlineshop & Bestellsystem in vertrauter Optik
  • einfache Einrichtung
  • monatlich kündbar
  • sehr flexible Vorlagen
  • niedrige Provisionen (ähnlich wie bei Kartenzahlungen)

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  1. Michael Götz-Pijl says:

    Eine gute Sicht und “Erklärung” zum Thema Lieferdienste allgemein und im Besonderen von Lieferando. In der Tat teile ich die Meinung und sehe es ähnlich. Gerade wenn man ein Restaurant neu eröffnet hat ist Marketing das “A&O”. Dazu zählen heute Social Media aber auch die Lieferdienste. Auch wenn Menschen immer noch gerne in Restaurants gehen, so hat auch die “Bestellen wir mal” Kultur zugenommen. Viele junge Menschen bekommen das Kochen nicht mehr beigebracht und empfinden es eher als “Lästiges Übel”, daher die Fertigprodukt-Industrie aber auch das Online Bestellen. Wenn man also noch nicht bekannt ist so würde ich eine Listung, auch mir Provision, auf jeden Fall in Anspruch nehmen.

    Gerade bei der Suche nach Essen, stöbert man gerne bei “Lieferando” und sucht was neues. So auch ich 🙂
    Daher auf jeden Fall eine Empfehlung. Ebenso sehe ich es auch so das jeder dies sebst entscheiden muss und natürlich wenn genug Stammkuntschaft da ist, die ienen Unterstützt, kann man darüber nachdenken seine “Listung” zu löschen.

    Daher guter Artikel und SIchtweise die ich teile.

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